Mission Bahnhofsmission
Aus der freien Wirtschaft bin ich ja längst gewöhnt, dass das Thema behinderte Menschen und zugängliches Web etwas differenziert und somit distanziert gesehen wird. Im Sozialbereich jedoch auf eine ähnliche Geisteshaltung zu stoßen, ist - verharmlost ausgedrückt - extrem befremdlich.
Hilfe für Reisende
Auf
www.bahnhofsmission.de ist zu lesen: "Wir geben Auskünfte und unterstützen Sie bei Verständigungsschwierigkeiten. Zum Beispiel wenn Sie gehörlos sind, schwerhörig, blind, seh- oder sprachbehindert. ..."
Als blinde Reisende fühle ich mich da durchaus angesprochen und ich habe auch schon des öfteren von diesem Dienst Gebrauch gemacht. Dabei sind mir sehr hilfsbereite und verständige Menschen begegnet.
Der Fisch beginnt ...
Ich möchte diesen unfreundlichen Spruch nicht vervollständigen, solange noch nicht das letzte Wort in der Sache gesprochen ist, die mich momentan nicht nur bedrückt, sondern zutiefst beunruhigt.
Gemeint ist der Webauftritt der Bahnhofsmission, der in keiner Weise die Dienstbereitschaft der Mitarbeiter am Kunden widerspiegelt, sondern als echte "Falle" bezeichnet werden kann.
Als blinde Nutzerin stoße ich hier nämlich nicht nur auf massive Barrieren bei der Bedienung der für mich sehr relevanten Webseite. Darüber hinaus werde ich auch noch extrem in die Irre geführt. Dass dahinter keine Absicht, sondern vielleicht eher extreme Schlamperei, Unvermögen und ein Stück Ignoranz steckt, macht die Sache nicht besser.
Falle Textversion
Zitat eines Links:
"Sollten Sie eine Textversion bevorzugen, so folgen Sie bitte diesem Link!"
Abgesehen davon, dass man die vorhandene Textversion nur dann entdeckt, wenn man mit allen Wassern aus der Trickkiste langjähriger Erfahrung gewaschen ist, gäbe es tatsächlich einen triftigen Grund, sie vor der Menschheit zu verbergen: Die dort angebotenen - zugegeben sinnvoll beschrifteten - Links zu den einzelnen Bahnhofsmissionen führen nämlich überall hin, nur nicht zur richtigen Bahnhofsmission.
Wie sich das im Konkreten anfühlt, ist in meinem Beitrag
Die Narren sind los - ich auch! nachzulesen.
Nicht nur, dass man hier eine Textversion als bloße Alibihandlung eingestellt hat, es hat sich obendrein auch niemand die Mühe gemacht, diese ordentlich zu testen.
Klare Worte
Vor allem meine langjährigen Leser wissen, dass ich Frontalangriffe gerne vermeide, wohl auf Mängel hinweise, mit harten Worten aber sparsam umgehe. In diesem Fall platzt mir aber der sprichwörtliche Kragen. Nicht nur, dass die Betreiber der Seite längst aufmerksam gemacht wurden, sei es nun durch die dafür vorgesehene Meldestelle von Barrieren im Web, sei es durch e-Mails von leidgeprüften behinderten Nutzern oder Webdesignern im Fachbereich Barrierefreiheit. Auf keinen dieser Appelle wurde seitens der Betreiber reagiert.
Ich gebe mich keineswegs der Illusion hin, dass ich gerade mit diesem Beitrag die Betreiber der Seite von der Notwendigkeit überzeugen kann, dass die Mängel raschestmöglich beseitigt werden müssen. Aber so wie der stete Tropfen den Stein höhlt und aus einem kleinen Schneeball irgendwann eine Lawine werden kann, so gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass Publikation doch irgendwann zur Kommunikation führen kann.
Ein paar wichtige Fundstellen
Der Webauftritt der Bahnhofsmission
Ein Ansprechpartner auch für behinderte Menschen auf Reisen
Bahnhofsmission (Textversion)
Der dazugehörige Link zur Textversion der Bahnhofsmission
Bahnhofsmission - wie zugänglich ist sie?
Gerade taubblinde Menschen müssen dringend den e-Mail-Kontakt nutzen - aber sie scheitern. Was jetzt?
Die Narren sind los - ich auch!
Praktische Erfahrungen mit dem Webauftritt der Bahnhofsmission
Barrieren im Web - Annahme verweigert
Das ABI-Projekt hat die Betreiber auf die Barrieren aufmerksam gemacht - ohne Erfolg
Barrierebehaftet und beratungsresistent
webdesign.weisshart.de forscht nach
Die WCAG 2.0 auf Deutsch
Damit die Betreiber wissen, wovon hier überhaupt die Rede ist
Testwerkzeuge und Validatoren
Damit klar ist, wie seriöse Prüfung eines Webauftritts aussieht
Autor: Eva Papst
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